Revitalisierung Schloss Hof

Ein Barockjuwel erhält seine Würde zurück

Um 1725 wurde Prinz Eugen auf der Suche nach einem Landsitz im Marchfeld fündig. Er erwarb die Schlösser Hof und Niederweiden. Schloss Hof ließ er von Lukas von Hildebrandt zu einem repräsentativen Lustschloss mit weitläufigen Gartenanlagen umgestalten. Er stattete es mit wertvollen Möbeln, Stoffen und Kunstwerken aus. Der Barockgarten über sieben Terrassen galt als einer der prächtigsten Europas. Schloss Hof wurde zum Ort luxuriöser Feste für den Wiener Hof. Nach Eugens Tod gingen die Anwesen an Maria Theresia über. Das Schloss wurde um eine Etage aufgestockt und erhielt im wesentlichen seine heutige Gestalt. Später verlor der Wiener Hof das Interesse und die Anlage geriet in Vergessenheit.

Eine erste Widerbelebung erfolgte durch Restaurierungsarbeiten anlässlich der Landesausstellung 1986. Im Jahre 2002 wurde Schloss Hof, das im Bundesbesitz war, privatisiert. Es entstand die "Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft", eine Tochtergesellschaft des Schönbrunner Tiergartens. Bund und Land investierten rund 30 Millionen Euro in die Sanierung der Anlage. Im April 2005 wurde der reguläre Besucherbetrieb aufgenommen.

Das Projekt

Das Barockschloss im Marchfeld in Niederösterreich wurde im Rahmen eines umfassenden Projektes renoviert, in Teilen revitalisiert und in großen Bereichen der Öffentlichkeit und entsprechender Nutzung zugänglich gemacht. Das Hauptaugenmerk lag nicht nur auf der Revitalisierung des Schlosses selbst mit den zugehörigen Wirtschaftsgebäuden, sondern auch auf der Wiederherstellung der barocken Gartenanlage.

Den Baumaßnahmen lag ein Masterplan von Architekt Prof. Manfred Wehdorn zugrunde, der eine schrittweise Realisierung vorsieht. Die aktuellen Maßnahmen der Phase 1 wurden an eine Arbeitsgemeinschaft unter Beteiligung der Porr Projekt und Hochbau AG in Form eines Generalunternehmerauftrags einschließlich Haustechnik im April 2004 übertragen. Die Gartengestaltung und die Steinmetzarbeiten für die Wiederherstellung des Neptunbrunnens im Bereich der Terrasse 1 wurden in gesonderten Verfahren beauftragt.

Die Bauphase 1 umfasste folgende Maßnahmen:

Von der ursprünglich geplanten Errichtung eines Eingangsgebäudes an der Bastionsmauer entlang der Landesstraße wurde vorläufig Abstand genommen. Die Umlegung der bestehenden Straße in eine Ortsumfahrung erfordert eine Neukonzeption der Flächen zwischen Schloss und Meierei und somit auch eine Änderung des Eingangsbereiches.

Ebenso wurde die ursprünglich vorgesehene Schaffung von Personalwohnungen im südlichen Reitstallgebäude auf eine spätere Bauphase verschoben, da neue Bedarfs- und Nutzungsüberlegungen angestellt wurden. Die Erfüllung der räumlichen und der funktionellen Anforderungen war eine wesentliche Aufgabenstellung. Die Renovierung der Gebäude erfolgte unter Beachtung der historischen Bausubstanz, des heutigen Standes der Technik und der Vorgaben und Bestimmmungen des Bundesdenkmalamtes.

Es war eine dem historischen Ambiente entsprechende harmonische Lösung unter Berücksichtigung der Baukörper des Schlosses und der Meierei zu finden. Als Grundregel galt die Rückführung auf die historische Substanz mit Implementierung moderner Technik.

Umbaubereich Schloss

Das Schloss ist ein dreigeschossiges Gebäude mit teilweiser Unterkellerung. Im Erdgeschoß und im Kellergeschoß bilden generell Gewölbekonstruktionen den oberen Raumabschluss. In den beiden Obergeschossen sind teilweise alte Holztramdecken und teilweise neue Stahlbetonrippendecken vorhanden. Die Raumtrennung in die Funktionsbereiche Erschließung, Shop, Personal- und Sanitärräume sowie Gastronomie erfolgte unter größtmöglicher Schonung der Gebäudestruktur. Wände, Decken und Gewölbe wurden in historischer Gestalt mit alter Kalkputztechnik restauriert.

Shopbereich:

Es wurde ein zusammenhängendes Raumgefüge geschaffen, mit Zugang von der Durchfahrt aus durch eine Glastüre. Die Möblierung erfolgte mit neuen Präsentationstischen und zentralem Verkaufspult.

Sanitäranlagen:

Die Gestaltung der boxenförmigen Sanitäranlagen mit zeitgemäßem durchgehendem Design erfolgte in Glas und Sichtbeton mit Anschlüssen zu den historischen Strukturen.

Personal- und Nebenräume:

Die erforderlichen Personalräume sind im Nordtrakt situiert und durch eine Gangfläche mit eigenem Zugang von den öffentlichen Bereichen getrennt. Auch hier wurden die neu eingebauten Funktionen klar baulich getrennt von der historischen Bausubstanz ausgeführt.

Gastronomie:

Die Gestaltung erfolgte nach dem Typus "Wiener Kaffeehaus" mit rundum laufenden Logen, Kaffeehaustischen und Parkettboden. Raumverbindungen mittels Durchbrüchen wurden nur dort geschaffen, wo sie bereits durch die Bauwerksstrukturen vorgegeben waren. In der Achse des nördlichen Arkadenganges wurde der Haupteingang ausgebildet, um möglichst zental in das Lokal gelangen zu können. Südlich davon ist im Anschluss an die Sala Terena die Kleinküche mit Lager untergebracht. Baulich wurde der historische Stiegenlauf in Richtung erstes Obergeschoß erhalten.

Der geplante Schanigarten wird dem Kaffeehausbereich im Innenhof vorgelagert. Die Oberfläche des Innenhofes wurde neu als wassergebundene Sand-Kiesdecke hergestellt. Der umlaufende Arkadengang des Hofes wurde mit Naturstein belegt. Zusätzlich zu den historischen Wandlampen kamen neuzeitliche Lichtsysteme zur Ausführung.

Hauptstiegenhaus und Lifterschließung:

Zur behindertengerechten Erschließung der Obergeschoße (vor allem der Ausstellungsräume) wurde eine Liftanlage eingebaut, die nördlich der Prunktreppe als möglichst transparente Stahl-Glasschacht-Konstruktion ausgebildet wurde. Bauliche Eingriffe waren daher m Stiegenhaus nur beim Umbau des Kellerlaufs notwendig. Die Liftanlage steht lagegünstig zwischen den einzelnen Raumfunktionen. Die baulichen Eingriffe durch den Liftschacht wurden bewusst minimal gehalten (es sind Deckensysteme aus 1970 vorhanden, die im zweiten Obergeschoss noch im Rohbau sind). Der lagemäßig veränderte Kellerstiegenlauf dient zur Erschließung von Haustechnikräumen. Die neuen Bodenflächen wurden - wie in der Prunkstiege bereits vorhanden - mit alten Kehlheimer Platten belegt.

Umbaubereich Meierei Straßentrakt

Dieser umfasst die Errichtung der Funktionsbereiche Information- und Nebenräume, Shop, Altes Gewerbe und Sanitärräume. Die Wände und die Decken wurden in historischer Gestalt mit alter Kalkputztechnik rekonstruiert. Generell kamen im gesamten Trakt neue Kastenfenster wie im Altbestand zur Ausführung. Die Türen und Holztore wurden großteils instand gesetzt oder nach historischer Vorgabe neu erstellt.

Shopbereich

Die Verbindung der einzelnen Raumzonen erfolgte durch neue Wandöffnungen. Zur Überwindung der verschiedenen Bestandsniveaus wurden flache Rampen angeordnet. Die Gestaltung der Böden in den Gangbereichen erfolgte mit Ziegelpflaster, in den Shops wurden gebürstete und geölte Lärchendielen über einer Fußbodenheizung verlegt. In der Durchfahrt zum Hof erfolgte die Herstellung eines massiven Holzstöckelpflasters.

Altes Gewerbe

An den innen liegenden Verbindungsgang anschließend wurden verschiedene Raumfunktionen direkt erschlossen. Für die Besucher wurden Schauräume, wie z.B. Kräuterapotheke, Drechslerei, Korbbinderei und eine alte Schmiede, geschaffen.

Sanitäranlagen

Die Gestaltung der Sanitäranlagen erfolgte wie im Hauptschloss als Raum-in-Raum-Boxen mit zeitgemäßem durchgehendem Design in Glas und Sichtbeton.

Nebenräume

Durch Abbruch von neuzeitlichen Wandstellungen wurde Raum für die erforderlichen Nebenräume geschaffen. Im südwestlichen Teil des Traktes erfolgte die Situierung eines neuen Niederspannungsraums mit Doppelboden. In der bestehenden Teilunterkellerung wurde eine Wärmepumpe untergebracht.

Umbaubereich Meierei Mitteltrakt

Dieser betrifft die Schaffung der Funktionsbereiche Catering-Küche, Speisesaal für rund 120 Personen, Produktions- und Nebenräume sowie der Sanitär- und der Personalräume.

Gastronomie

Grundgedanke für die Ausgestaltung war die barocke Tafel. Als Speisesaal des Gastronomiebereiches wurde der ehemalige Kuhstall umgebaut. Für dessen Errichtung mit stuckiertem Deckengewölbe um 1726 wurde offensichtlich durch Lukas von Hildebrandt ein älterer Baubestand adaptiert. Unterschiedliches Mauerwerk aus Ziegeln und Bruchstein, deutliche Baunähte, Ziegelauffüllungen unter den Fenstern und bauliche Veränderungen deuteten darauf hin. Die barocke Putzsubstanz mit Stuckgliederungen war an der Gewölbetonne im Wesentlichen erhalten, aber desolat, die Wandansatzbereiche waren stark beschädigt oder nicht mehr vorhanden.

Zahlreiche Kalkanstriche bei späteren Renovierungen und Putzausbesserungen überdeckten die ursprünglichen Stuckstrukturen. Zur Restaurierung wurden die zahlreichen Kalktünchungen bis zum Feinputzüberrieb abgenommen. Die lockeren und fehlenden Putzbereiche wurden in mehrlagigem Kalkmörtelaufbau rekonstruiert und die Dekorteile nach historischem Vorbild ergänzt. Anschließend erfolgte die Aufbringung einer Kalklasur mit Sumpfkalk.

Der saalartige Raum wurde mit Steinboden ausgelegt. Die haustechnischen Anlagen werden in Kollektoren unter dem Fußboden geführt. Zur statischen Sicherung des Raumgewölbes mussten neue Gewölbe-Zugstangen eingezogen und vorgespannt werden. Durch Ausbildung von Türen zur vorgelagerten Terrasse konnte zusätzlich eine optische Öffnung des Raumes erzielt werden.